Die Entwicklung des Mönchtums bis ins frühe Mittelalter

 

Die Ursprünge des Mönchstums in Europa liegen in der

Antike

Pythagoras - Tympanon des Königsportals von Chartres

Die Trennung zwischen Seele und Leib,
die zur christlichen Mystik des Westens
in den ersten Jahrhunderten führt,
ist das Erbe des platonischen Denkens
und der griechischen Spiritualität,
nach welcher die Welt der Ideen
von der sichtbaren irdischen Welt verschieden ist.

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Platon (428-348 vor Christus)

Platon - Büste aus dem 18. Jhd.

Für die Platoniker und Neuplatoniker
beruht alles auf einem einfachen Gedanken:
Es gibt im Menschen ein unsterbliches Prinzip,
welches sich nach dem Tode vom sterblichen Leib löst,
und zu seiner wahren Heimat zurückkehrt,
und zwar auf zwei möglichen Wegen:

Extase und Tod

Zu dieser Idee gesellt sich eine zweite:
Die Idee von der Transzendenz des Guten

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Die Essenergemeinden von Qumran

"Ein Einsiedlervolk, wohl einzigartig auf der Welt" Plinius

Diese etwa 4000 Mitglieder umfassende Volksgruppe
lebte sehr asketisch, radikal und gesetzestreu.
Seit der Entdeckung in der Wüste von Judäa im Jahre 1947
wird die Essener-Sekte intensiv beforscht:
Forschungsgegenstand sind
die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer.
Ob diese Gemeinschaft die Urform
des christlichen Mönchtums darstellt,
darüber wird intensiv wissenschaftlich diskutiert:
Die Lebensform dieses Volkes
scheint direkt hinüberzuführen
zu jenen ersten Eremiten und Zönobiten im Mittelmeerraum,
die später in ganz Europa anzutreffen sind.
Viele Traditionen der Essener ähneln sehr
den Geboten der Evangelien,
die durch sie wahrscheinlich inspiriert wurden.
Eines ist sicher:
Man kann nicht den gemeinsamen geschichtlichen Hintergrund
des östlichen und westlichen Mönchtums leugnen.

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1. und 2. Jahrhundert nach Christus

In der ägyptischen Wüste leben zahlreiche Eremiten

La Thébaïde Gherardo Starmina (Florenz Uffizien)

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3. - 5. Jahrhundert nach Christus

Erste inoffizielle christliche Gemeinschaften in Ägypten - Syrien - Palästina - Kleinasien

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3. und 7. Jahrhundert nach Christus

Im Mittelmeerraum entsteht eine außerordentlich starke philosophische Strömung.
In dem Maße, wie der Mittelmeerraum christianisiert wird,
findet klassisch-griechisches Gedankengut Einzug in das christliche Denken,
und es vergehen mehrere Jahrhunderte,
wo man kaum den christlichen Einfluss
von den fortwirkenden philosophischen Lehren
des gräkoromanischen Heidentums
auseinander halten kann.

Drei Philosophen und Mystiker müssen genannt werden:

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Plotin (Ägypten?-270 Campania)

Gregor de Nycäa (330-395)

Pseudo-Dionysius (Anfang des 6. Jahrhunderts)

Der Heilige Dionysius Areopagita - Bild aus dem 17. Jhd. Bibl. Nat. Paris

Der Heilige Hieronymus (347-420)

organisiert die ersten Mönchsgemeinschaften

Der Heilige Anastasius von Alexandria (335-338)

hat das Leben des Antonius und eine erste Abhandlung
über das Klosterleben geschrieben

Der Heilige Martin (317-397)

Der Heilige Paulinus (gegen 395)

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Der Heilige Augustinus (354-430)

war Bischof von Hippo

Der Heilige Augustinus, Philipp de Champagne, Los Angeles County Museum of Art

Verfasser eines der berühmtesten Bücher des Christentums:
"Confessiones - Bekenntnisse"
Er hat die erste monastische Regel verfasst
und die Theologie bis Thomas von Aquin dominiert.

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Der heilige Caesarius von Arles (470-543)

Einer der Kirchenväter und Autor eines
der universellsten und schönsten Texte der französischen Sprache.

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Der Heilige Benedikt (480-547)

Gründer der abendländischen Orden

Subiaco und Monte-Cassino

Er hat die Regel festgelegt,
die bis in unsere Tage das Klosterleben definiert.

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5. und 6. Jahrhundert nach Christus

im Zeichen des mediterranen Mönchtums.
Das keltische Mönchtums (Irland, Schottland, Britische Inseln,
Armorika, Burgund) gewinnt allmählich an Einfluss.
Es entwickelt sich frei vom gräkoromanischen Einfluss.
und spielt eine immer größere Rolle
in der entstehenden mittelalterlichen Kultur.

Wichtigster Vertreter:

Der Heilige Columban (540-614)

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8. - 9. Jahrhundert nach Christus

Das benediktinische Mönchtum breitet sich immer mehr in Europa aus.
Die benediktinische Regel wird zur universellen Regel
der abendländischen Klöster in Italien, Deutschland, England.

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11. Jahrhundert nach Christus

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Cluny

Mit 12.000 Mönchen und 1500 Abteien und Priorate
wird Cluny zur mächtigsten klösterlichen Institution des Mittelalters.

Cluny am Ende des 18. Jahrhunderts vor der Französischen Revolution

Zur damaligen Zeit die größte Kirche der Christenheit:
187 Meter lang, 5 Schiffe, 30 Meter Gewölbehöhe

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Anfang 12. Jahrhundert nach Christus

Erneuerung des eremitischen Mönchtums
in radikalem Vollzug der Kluniazenser-Regel.
Einzelne strenge Bruderschaften wehren sich gegen
die Hegemonie von Cluny, die Ausuferung der Liturgie,
den exzessiven Reichtum der Abteien und Priorate des Ordens,
den sie als zu weit entfernt vom evangelischen Gedanken ansehen.

Robert von Arbrissel (um 1055-1117)

gründet zusammen mit Hersendis von Champagne die Abtei von Fontevraud bei Cande nahe der Loire

Pierre de l'Etoile

Gründer der Abtei von Fontgombault

Robert de Molesme und Stephan Harding

Gründer des Ordens von Cîteaux: 530 Abteien seit dem Jahr 1200 an.

Der heilige Bruno (1035-1101)

Gründer des Ordens von Chartreux

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Um 1129: Peter Abaelard und Heloïsa 
gründen das Paraklet-Kloster

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Der heilige Bernhard von Clairvaux

Zwar kein Ordensgründer;
dennoch hatte er einen enormen Einfluss auf sein Jahrhundert.

Sein geistiger Einfluss erfuhr eine neue Blüte
im 13. Jahrhundert bei der Entwicklung des
Franziskanischen Gedankens.

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13. Jahrhundert nach Christus

Aufkommen der Bettelorden,
für welche die erste monastische Tugend in der Armut besteht,
im Gegensatz zu den früheren Orden,
deren erste Tugend die Reinheit der Seele war.

Der Heilige Dominikus (1170-1221)

Gründer des Dominikanerordens

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Der Heilige Franz von Assisi (1181-1226)

Gründer des Franziskanerordens


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